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Buch: Der gefesselte Mensch

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Vielvölkerstaat Deutschland

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Der Kollege kam von jenseits des großen Ozeans. Er war gerade noch rechtzeitig dorthin ausgewandert, weil – wie er sich immer ausdrückte – Herrn Hitler meine Nase nicht gefiel. Jetzt kam er also wieder einmal nach Berlin, wo er aufgewachsen war und hier auch seinen Lebensabend verbringen wollte. Er hatte in Schöneberg, im bayerischen Viertel, gewohnt, in dem damals zahlreiche Bürger mosaischer Religion lebten.

Doch davon soll hier nicht die Rede sein, sondern vom Victoria-Louise-Platz in Schöneberg an dem er einst gewohnt hatte. Als wir bei schönem Sommerwetter dort vorbeikamen, warf der Springbrunnen, wie in alten Zeiten sein Wasser empor. Der runde Victoria-Louise-Platz ist einer der schönsten Plätze Berlins. Außen ist er von Bäumen und Sträuchern umgeben, auf die nach innen zu ein Blumenstreifen und danach die gepflegte Rasenfläche folgen. Sechs Wege, die in Verlängerung der auf ihn zulaufenden Straßen zum in der Mitte liegenden Springbrunnen führen, teilen die Rasenfläche in sechs Sektoren. Man hat die Anlage nach altem Plan wieder gestaltet, erklärte ihm Erasmus und wollte es eigentlich dabei belassen, als dieser verwundert darauf hinwies, daß der Rasen, der den größten Teil der gärtnerischen Gestaltung einnahm, von vielen meist jungen dort liegenden Menschen bevölkert war, die sich sonnten oder einfach nur dort lagen und die öffentliche Gartenanlage als Liegewiese betrachteten. „Wie so manches, hat sich auch das hier geändert“, bemerkte Erasmus, als ihn der Kollege erstaunt ansah. Was er aber nachdenklich betrachtete, waren jeweils drei gleiche Schilder vor jedem der sechs Rasenabschnitte, insgesamt also 18 Schilder. Auf dem obersten der drei sah man auf gelbem Grund vier Inschriften. Deutlich war als erstes in deutscher Sprache zu lesen: Rasenflächen Betreten nicht gestattet. Darunter in drei verschieden Sprachen vermutlich dasselbe. „ Das erste dürfte türkisch sein, denn die Wörter in dieser Sprache haben keine Beziehung zu den indogermanischen“ , schloß Erasmus. Die nächste Zeile begann mit einem „ Nije“, was auf slawischen Ursprung deutet, schließlich als letzte beginnend mit „ E´prohibito“ sicher einer romanischen Sprache zugehörig. Auf dem einen der darunter liegenden Schilder wieder deutsch auf weißem Grund: Fußballspielen verboten, Hunde fernhalten, auf dem daneben angebrachten auf grünem Grund: Geschützte Grünanlage, nach dem Gesetz zum Schutze der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen. Verstöße ziehen Geldbußen bis zu 500 DM nach sich.

“ Das alles stimmt mich doch sehr nachdenklich“, meinte der Kollege.“ Das verstehe ich,“ so Erasmus, und er will seinen Lesern kurz über seine Entgegnung berichten.“ Du siehst zum einen daraus, daß die junge Generation das entsprechende Gesetz nicht beachtet und der Staat hier, wo es auf den direkten menschlichen Kontakt durch Hüter der Ordnung ankommt, keine Notwendigkeit zum Handeln mehr sieht. Ganz anders übrigens als bei der Sozialgesetzgebung. Hier lassen sich alle Bürger mittels der sogenannten Sozialsysteme bereitwillig total entmündigen. Der preußische Untertan ist in diesem Falle noch sehr lebendig. Doch kommen wir zu dem Viersprachenschild. Was Du hier siehst, ist Ausdruck unserer jahrelangen verfehlten Ausländerpolitik. Erasmus will seine Leser nicht mit einem langen Gespräch langweilen, das danach folgte. Er wird es zusammenfassend als Interview wiedergeben. „ Wer sind denn diese Ausländer“?. „ Gastarbeiter, Asylanten, Scheinasylanten, Immigranten, Remigranten, Aussiedler, Flüchtlinge, Illegale.“ „Und warum bleiben sie hier.“ Weil es ihnen nirgendwo besser gehen würde. Sie müßten Idioten sein, wenn sie freiwillig dorthin zurückkehren würden, wo sie hergekommen sind, und darüber hinaus nicht versuchen würden, möglichst viele Angehörige nachkommen zu lassen. Außer vielen Privilegien, die sie hier genießen, können sie sich weiter in ihrer Muttersprache im öffentlichen Leben mit eigenem Fernsehen, Radio u.s.w. bewegen“. „ Das dürfte schlimme Folgen haben“, meinte er. „Gewiß das Sprachproblem wird von unseren Politikern mit ihrem integrationsfeindlichen Moralismus überhaupt nicht erkannt. Es gibt bereits Ghettos, in denen die dritte Generation schon kein Deutsch mehr spricht, wie eine Kultusministerin kürzlich berichtete. Man betrachtet diese Leute als „Ausländische Mitbürger“, anstatt sie zu „Inländischen Mitbürgern“ zu machen“. „Da könntet ihr von den Franzosen viel lernen, die kein ethnisches Sprachproblem haben.“ „Aber was sollen wir von unseren Politikern anderes erwarten. Sie sind kein Vorbild mehr für deutsche Kultur und sprechen eine Mischsprache durchsetzt mit englischen Worten, die man jetzt als Denglisch bezeichnet. Die Gesundheitsministerin faselt z.B. nur noch von „disease management programs“, „diagnosis related groups“ , von screening und floaten. Aber lassen wir das, ich will mich hier nicht ärgern, das Problem ist vielschichtig und die Sprache ist nur eines der derzeitigen deutschen Kultur“. „ Mir fällt da ein Berliner Rabbiner ein“, meinte er, „der, als die Nazis kamen, sagte: ‚Gott gebe den Regierenden ein besseres Deutsch,’ “ „und den Deutschen heute eine bessere Regierung,“ entgegnete ihm Erasmus.