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Buch: Der gefesselte Mensch

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Über das Rechtschreibechaos

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Eigentlich wollte Erasmus heute über andere Dinge mit Ihnen plaudern, aber da er nun einmal angefangen hat, Sie über die"Neuschreibe" zu unterrichten, muß er doch wieder darauf zu sprechen kommen. Außerdem hat er sich über diese staatliche Überheblichkeit so geärgert, daß ihm dazu gewissermaßen die Tinte aus der Feder fließt. Jawohl, er scheut sich auch nicht, die Initiatoren dieses Unfugs als wildgewordene Bürokraten zu bezeichnen. Wie ist also der jetzige Stand der Dinge ? Zunächst einmal heißt es: " Duden ade ". hie füge ich Die letzte noch brauchbare ( zwanzigste ) Auflage erschien 1991. ( Es soll schon Nachdrucke geben ).Diese Schreibweise bleibt in jedem Falle richtig. Die in den Schulen seit 1996 gelehrte Neuschreibe war schon vor ihrer Einführung als fehlerhaft erkannt worden, wurde aber nur wenig vom Duden revidiert. Zeitungsverlage und Nachrichtenagenturen erarbeiteten sich deswegen eigene Hausorthographien, und da sich fast alle Schriftsteller der Neuregelung verweigerten, wurde den Schulbuchverlagen auferlegt, geschützte Autoren nur in der Originalfassung abzudrucken. Das Fazit also: Man überlasse die Entwicklung der Rechtschreibung wie bisher der Sprachgemeinschaft. Tho-mas Mann schrieb bis an sein Lebensende Thee statt Tee, und Tür wurde früher immer als Thür geschrieben. Die Sprachgemeinschaft hatte für richtig befunden, das H fallen zu lassen. In diesem Chaos hat sich der Germanist Theodor Ickler aus Erlangen entschlossen, ein Rechtschreibewörterbuch herauszugeben, das dem Stand vor der sogenannten Reform ( außer einigen Haarspaltereien des Duden ) entspricht. Sicherlich eine verdienstvolle Tat. Inzwischen ist Icklers Rechtschreibebuch, der " Ickler", eine Möglichkeit, die deutsche Einheitsorthographie zu retten, denn von den Kulturbürokraten ist kaum zu erwarten, daß sie soviel Selbstgefühl besitzen, einen Fehler einzugestehen. Das aber muß man dazu haben. Erasmus meint also: " Bleiben Sie ruhig beim alten." Es besteht kein Grund, unsere seit Jahrzehnten bewährte, leserfreundliche, einheitliche Rechtschreibung zu ändern. Unsere Obrigkeitshörigkeit hat Grenzen. Demnächst wird er über andere Obrigkeiten berichten. Auf seinem Schreibtisch liegt z.B. eine Plauderei unter dem Titel: " Was reimt sich auf Kammer ? "